|
|
| ||
|
Entwicklungsgeschichte
der
Glocken Die Glocke stammt ursprünglich aus China und gelangt bereits um 700 v. Chr. über Süd- und Vorderasien in den Mittelmeerraum. Als kirchliches Instrument ist sie jedoch erst seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Die 1200 Jahre Glockengeschichte, die im Glockenmuseum Stiftskirche Herrenberg dargestellt sind, beschreiben den langen Weg der Glocke von der lärmenden Signalgeberin zur musikalischen Botschafterin der Kirche. Ausschlaggebend für diesen Wandlungsprozess ist die Fortentwicklung der so genannten Glockenrippe, also der Formgebung und Profilgestaltung der Glocken. |
| ||
Entwicklung der Glockenrippen![]() Entwicklung der Glocken | |||
|
|
| ||
|
|
Nachdem das Christentum in
vielen Teilen Europas zur Staatsreligion geworden war, setzte sich wegen der
nun gewünschten größeren Fernwirkung etwa um die Zeit Karls d. Gr. der Glockenguss
aus Bronze durch. Bis zum heutigen Tag werden Glocken in dieser
Kupfer-Zinn-Legierung gegossen. Für diese Frühzeit der europäischen
Glockengeschichte ist die Bienenkorbform charakteristisch. (Beispiel: Aschara-Glocke) | ||
|
| Zwischen 1150 und 1250 finden die heller und klarer klingenden Zuckerhutglocken, die bereits eine starke Verdickung des Schlagrings aufweisen, eine zunehmende Verbreitung. (Beispiel: Armsünderglocke) | ||
|
|
Den
Beginn des Spätmittelalters beherrschen die Übergangsformen vom Zuckerhut zur
tulpenförmigen gotische Dreiklangrippe. (Beispiel: Osanna) Sie besitzen bereits exakte Schlagtöne und eine weit bessere Innenharmonie als ihre Vorgängerinnen. | ||
|
| Erst ab dem 14. Jahrhundert gelingt es den nun meist bürgerlichen Glockengießern mit ihrer gotischen Dreiklangrippe, die tieferen Teiltöne des Glockenklangspektrums (Prinzipaltöne) in ein zunehmend konsonantes Verhältnis untereinander und zum Schlagton zu bringen. Daher gilt die Klanggestaltung der spätgotischen Glocke noch heute als Norm (vgl. Kapitel: Das Musikinstrument Glocke). Dieser erste musikalische Höhepunkt der Glockengießtechnik ermöglicht nun den harmonischen Zusammenklang vieler Glocken bzw. die Botschaftsfunktion mehrerer Teilgeläute durch entsprechende Tonmotive. Gleichzeitig entstehen große Turmuhren mit Viertel- und Stundenschlägen, und aus diesen entwickeln sich mancherorts die Glockenspiele. (Beispiel: Mittagsglocke) | ||
|
| Im Verlauf des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts werden wegen der Marktsättigung und zusätzlich einsetzenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten weniger Glocken gegossen. Daher erreicht das Klangniveau der gegossenen Renaissanceglocken meist auch nicht mehr die spätgotischen Vorbilder. (Beispiel: Guldenglocke) | ||
|
| Schwerpunktmäßig nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), in dem die Tradition des Glockengießens an vielen Orten Deutschlands abgerissen ist, ersetzen lothringische Wandergießer mit ihrer gedrungenen und dünnwandigen französischen Rippe die verlustig gegangenen Glocken. Allerdings führt diese Material sparende Rippenform zu schwerwiegenden klanglichen Einbußen im Bereich der Innenharmonie und der Resonanz. (Beispiel: Zeichenglocke) | ||
|
| Im Zuge einer allgemeinen Begeisterung für die künstlerischen Leistungen des Mittelalters besinnt man sich auch in der Glockengießkunst des 19. Jahrhunderts wieder auf die musikalischen Qualitäten der spätgotischen Dreiklangrippe, wobei die klanglichen Ergebnisse meist nur wenig befriedigen. (Beispiel: Primglocke) | ||
|
|
Erst in der Zeit der großen Neubeschaffung von Glocken nach dem Zweiten Weltkrieg
gelingt es den Gießern mit ihren modernen Rippen allmählich, das hohe Klangniveau
des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts wieder zu erreichen und sogar zu
übertreffen. (Beispiel: Taufglocke) | ||
|
| Diese hohe Kunst der Nachkriegszeit zu bewahren, ist die Aufgabe der wenigen, heute noch tätigen Gießereien. (Beispiel: Dominika) | ||
|
| |||